Top 10 Hotel-Fails | Nr. 1 Beleuchtung

Interior
Regine Geibel
19.11.2025
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Hoteliers und Architekt:innen aufgepasst: Hier kommen die 10 gravierendsten architektonischen Fehler, die man bei der Gestaltung oder dem Betrieb eines Hotels begehen kann. Ein Kondensat der Meinungen verschiedener Architekt:innen sowie unserer eigenen.

(Mit dieser Reihe möchten wir auf besonders wichtige Aspekte aufmerksam machen, auf häufige Fehler hinweisen und auch Lösungen aufzeigen. Die Aussagen der Kolleg:innen aus unserer Interviewreihe Architekt:innen im Hotel untermauern hierbei!)

Wer mich kennt, der weiß, wie wichtig mir eine Stimmungsvolle und passende Beleuchtung ist. Nicht selten habe ich schon in Restaurants die Glühlampe (umgangssprachlich: Birne) über dem Esstisch rausgedreht und nicht selten waren auch die Gäste an den Nachbartischen dann erleichtert. Menschen merken nicht immer was genau sie stört; die meisten spüren nur ein unterschwelliges Unbehagen. Mit meiner besonderen Sensibilität (HSP) für Atmosphäre und demnach erst recht für gutes bzw. schlechtes Licht lebt es sich als Gast nicht immer einfach, als Planerin ermöglicht es mir jedoch ein gezieltes Augenmerk auf die Atmosphäre prägenden Aspekte.

Beleuchtung und Lichtsteuerung im Hotel

Architekt:innen nutzen Licht ganz bewusst zur Inszenierung. Licht ist weit mehr als nur Helligkeit – es ist ein elementarer „Baustoff“ der Architektur, der die Wahrnehmung eines Raumes tiefgreifend prägt. Es definiert Form, Struktur und Textur und beeinflusst maßgeblich das menschliche Wohlbefinden und die Atmosphäre.  Licht lenkt den Blick, akzentuiert Details, schafft Kontraste und modelliert Oberflächen. Licht kann Räume erweitern oder verkleinern, Wärme oder Kühle vermitteln und bestimmte Stimmungen erzeugen – von beruhigend bis dramatisch. Insbesondere im Hotelbau, wo es um Wohlbefinden, das Gefühl von Sicherheit (siehe auch meinen Artikel Polyvagal-Theorie und Hotelplanung) und Gästezufriedenheit geht, ist die Steuerung des Lichts entscheidend. Es sollte nicht nur funktional, sondern auch atmosphärisch sein, ein Gefühl von Komfort und Geborgenheit vermitteln und die Markenidentität des Hotels unterstreichen. Fehler in der Beleuchtung passieren leicht und können fatale Folgen haben.

Architekt:innen-Aussagen zu Hotel-Fails

In unserer Reihe "Architekt:innen im Hotel" befragen wir regelmäßig Expert:innen zu den Dos und Don'ts der Hotelarchitektur. Wir wollen zum Beispiel wissen, was sie im Hotel am meisten nervt oder was den ersten Eindruck zerstört. Was wurde in Sachen Licht und Lichtplanung gesagt?

Titus Bernhard betont, dass zu den wichtigsten Aspekten, damit man sich gleich beim Betreten in einem Hotel wohlfühlt, gutes Licht, d. h. Akzentbeleuchtung und gutes Orientierungslicht, in der Regel Warmlicht (2.700 K), niemals Leuchtstoff-Licht und gleichmäßiger Lichtbrei mit 'Fröstel Atmosphere' zählen. Zum Thema Technik, und was ihn am meisten nervt, wenn es nicht gut funktioniert, sagt er: Die Lichtschalterorgien und Steuerungen auf den Zimmern – etwa, wenn man vom Bett aus nicht alle Lichter ausschalten kann. Besonders problematisch sind Downlights, wenn im Hotelbad das Licht von oben fällt und das Gesicht verschattet (Maskeneffekt), anstatt warm und diffus von vorne zu leuchten. Er fragt: „Wie soll man sich schminken, wenn das Licht nicht stimmt? Wie soll ich mich rasieren, wenn ich mich nicht sehe?“

Philipp Moeller von BAND Architektur sieht das Thema nichtfunktionierende Technik im Hotel ebenfalls kritisch: Zu viele Schalter und Lichtfunktionen sind für ihn ein Problem. Er betont, dass Licht eines der wichtigsten Elemente im Zimmer ist, weshalb das Lichtkonzept einladend, nicht überladen und vor allem leicht zu bedienen sein sollte. Für ihn sind schlechtes Licht, das „zu hell, zu grell, zu emotionslos“ ist, ein absolutes No-Go im Hotel, insbesondere im Spa-Bereich, wo die Lichtstimmung entscheidend für den Wohlfühlfaktor ist.

Häufige Planungsfehler bei der Hotelbeleuchtung - und unsere Empfehlungen

Die gravierendsten architektonischen Beleuchtungsfehler im Hotelbau entstehen, wenn man Funktionalität und Atmosphäre nicht an die spezifische Nutzung des jeweiligen Bereichs anpasst oder eine einfache/intuitive oder gut gekennzeichnete Lichtsteuerung (Lichtmanagement) vernachlässigt.

1. Falsche Lichttemperatur und Farbwiedergabe

  • Der Fehler: Einsatz von zu kühlem, bläulichem Licht (hohe Kelvinzahl, z. B. 5000\ K und mehr) in Bereichen, die Entspannung fördern sollen. Oder Verwendung von Leuchtmitteln mit schlechtem Farbwiedergabeindex (CRI).
  • Die Folge: Die Hauttöne der Gäste wirken ungesund, die Materialien verlieren ihre natürliche Textur und Farbe, und der Raum fühlt sich steril an. Dies ist ein Kardinalfehler.
  • Unsere Empfehlung: Für die meisten Hotelbereiche sollte warmweißes Licht (unter 3000\ K) verwendet werden. Ein hoher CRI (mindestens 90) ist essenziell, damit Speisen im Restaurant appetitlich, Gesichter schmeichelhaft aussehen und eine wame Atmosphäre entsteht.

2. Mangelhaftes Lichtmanagement: Keine Dimmbarkeit

  • Der Fehler: Installation von Beleuchtung, die sich nicht dimmen lässt und nur über rudimentäre An/Aus-Schalter verfügt.
  • Die Folge: Die Atmosphäre kann über den Tagesverlauf oder bei verschiedenen Veranstaltungen nicht angepasst werden. Dies führt zu Energieverschwendung und einer unflexiblen Stimmungsanpassung.
  • Unsere Empfehlung: Ein programmierbares (aber auch flexibles Lichtmanagementsystem. Es ermöglicht die Anpassung an Tageslichtveränderungen und unterschiedliche Nutzungsszenarien (z. B. Frühstück vs. Abendessen im selben Raum).
Leider beliebte Lichtquelle: Downlights © Sam Moghadam auf unsplash

3. Blendeffekte: Falsche Platzierung der Lichtquellen

  • Der Fehler: Direkt sichtbare, zu helle Lichtquellen (Blendung), schlecht platzierte Downlights (meinetwegen könnte man alle Downlights ausschießen ;-) und alle Lichtquellen, die harte Schatten erzeugen und blenden sowie spiegelnde Oberflächen, die das Licht störend reflektieren. In Bereichen, in denen man (auch) liegt und sich entspannen möchte, wie in Ruhe- oder Yoga-räumen Deckenleuchten einzubauen ist regelrecht dämlich.
  • Die Folge: Unbehagen und Ablenkung. Blendung zerstört sofort jede Atmosphäre; besonders beim Chillen, Essen und an der Bar.
  • Unsere Empfehlung: Indirektes Licht, am besten von der Wand und hochwertige, entblendete Leuchten; Licht soll die (nicht spiegelnden) Flächen beleuchten, nicht die Augen des Gastes.

Besonders sensibel: Beleuchtung für Spa, Restaurant & Bar

In den Bereichen Spa, Restaurant und Bar dient Licht primär dazu, eine gezielte Stimmung und somit eine emotionale Reaktion zu erzeugen – nämlich Entspannung und Genuss.

Leuchte in Raumtrenner im Hotel Amara auf Zypern © Regine Geibel

Beleuchtungsplanung im Spa: Bitte gedämpftes Licht für den Wellnessbereich

Der Spa-Bereich, übrigens auch in der Sauna, ist die Zone der tiefen Entspannung und des Rückzugs.

  • Das Ziel: Ruhe, Geborgenheit, Privacy und meditative Atmosphäre. Es soll ein Gefühl der Intimität und des geschützten Raumes entstehen, das den Übergang vom stressigen Alltag erleichtert. Ebenfalls laufen wir hier kaum bzw. gar nicht bekleidet herum, sodass ein zu viel an Licht unpassend wäre.
  • Die Fehlervermeidung: Keine harten Kontraste und keine Blendung – Achtung: Niemals Downlights! Bevorzugung von gedämpftem, sehr warmem Licht (2200\ K bis 2700\ K) und indirekten Lichtquellen, die das Wasser oder die Wände sanft inszenieren. Einsatz von dynamischem Licht (Farbwechsel oder langsame Dimmung je nach Tageszeit – Thema HCL, siehe unten) in Ruhebereichen, um eine beruhigende Atmosphäre zu schaffen, die dem Biorhythmus entgegenkommt.

Lichtkonzept in Restaurant und Bar: Gute Stimmung und attraktives Essen

Diese Bereiche dienen der sozialen Interaktion und dem kulinarischen Genuss.

  • Das Ziel: Kommunikation; eine intime, jedoch lebendige Abendstimmung und Licht, dass den Gerichten schmeichelt. Die Gäste sollen sich entspannen, lange bleiben und dadurch mehr verzehren. Gedämpftes Licht schafft Privatsphäre an den Tischen und lässt die Gäste und das Essen attraktiver erscheinen (Stichwort: schmeichelhaftes Licht). Ein übermäßig hell beleuchtetes Restaurant wirkt wie eine Kantine und lädt nicht zum Verweilen ein.
  • Die Fehlervermeidung: Deckenlicht (diffuse Grundhelligkeit) vermeiden; Fokus auf akzentuierte Beleuchtung ("Layering"): Akzentlicht auf den Tischen (blendfreie Pendelleuchten oder noch besser: kabellose (akkubetriebene) Tischlämpchen), sanfte Wallwasher an Wänden, die Bilder oder Texturen hervorheben, und gedämpfte Hintergrundbeleuchtung in Form von Tischleuchten auf Buffets oder Sideboards; Die Bar benötigt an der Arbeitsfläche eine etwas höhere Beleuchtungsstärke, der Sitzbereich sollte aber gedämpft sein.
Vorbildliche Lichtsteuerung am Nachttisch im Hotel Märthof in Basel © Regine Geibel

Bereiche Hotelzimmer und Bad: Fehler bei Steuerung und Dimmbarkeit

Das Hotelzimmer ist der private Rückzugsort des Gastes und muss ein breites Spektrum an Beleuchtungsszenarien abdecken. Hier entstehen oft massive Planungsfehler durch Unkenntnis oder Nichtberücksichtigung der Nutzerbedürfnisse.

1. Nicht-intuitive und fehlende zentrale Lichtsteuerung

  • Der Fehler: Die Installation zahlreicher Lichtschalter, die der Gast nicht intuitiv bedienen kann, die aber auch nicht beschriftet oder mit Icons versehen sind (oft als "Schalter-Chaos" bezeichnet). Entscheidend: Das Fehlen eines Zentralschalters am Bett und neben der Zimmertür.
  • Die Folge: Frustration und Verärgerung beim Gast, besonders abends oder nachts, wenn er wieder aufstehen muss, um vergessene Leuchten auszuschalten.
  • Unsere Empfehlung: Ein leicht erreichbarer Schalter, der alle Zimmerleuchten auf einmal ausschaltet sowie eine klare, eindeutige Kennzeichnung und logische Gruppierung der Schalter. Sofern keine Deaktivierung des Stromkreises durch Herausnehmen der Schlüsselkarte möglich ist, braucht es den Zentralschalter ebenfalls neben der Zimmertür. Ideal: Am Bett ein Schalter (am Besten in einer anderen Form zum ertasten) für ein Nachtlicht am Boden.

2. Mangelnde Schichtigkeit und Dimmbarkeit der Beleuchtung

  • Der Fehler: Einsatz einer hellen Lichtquelle (meist ein Deckenlicht) statt der notwendigen Beleuchtungsschichtung (Layering) und die Verwendung von Leuchten, die nicht dimmbar sind.
  • Die Folge: Der Raum kann keine unterschiedlichen Stimmungen annehmen. Das Licht ist entweder zu hell für die Entspannung oder zu dunkel fürs Aus- und Einpacken. Im Bad verhindert eine fehlende Dimmbarkeit die Einhaltung des zirkadianen Rhythmus (HCL, siehe unten).
  • Die Empfehlung: Installation von mindestens drei Beleuchtungsebenen (Putz-, Aufenthalts- und Akzentlicht. Die Dimmung ermöglicht es, die Lichtszene an die Bedürfnisse anzupassen. Im Bad: Hell für Schminken/Rasieren, gedämpft für Entspannung und sehr gedämpft für nächtliche Bad-Gänge.

Die Königsdisziplin: Human-Centric Lighting (HCL)

Der Schlüssel zu einer exzellenten Lichtplanung im Hotel und zur Vermeidung gravierender planerischer Fehler liegt im Einsatz von Circadian Lighting, das als Teil des umfassenderen Konzepts Human-Centric Lighting (HCL) gilt. HCL bezeichnet Beleuchtungssysteme, die Lichtfarbe (Kelvin) und Intensität dynamisch an die jeweilige Tageszeit und somit den menschlichen Biorhythmus anpassen.

Herausforderung Hotel-Bad: Circadian Lighting für alle Tageszeiten

Das Hotel-Bad stellt die größte HCL-Herausforderung dar, da es widersprüchliche Funktionen erfüllen muss: Einerseits wird helles, neutrales Licht mit hohem Farbwiedergabeindex (CRI > 90) für präzise Tätigkeiten wie Schminken und Rasieren benötigt. Andererseits muss das Bad den Biorhythmus zu kritischen Zeiten schützen. Das System muss sich daher anpassen, indem es morgens helleres, etwas kühleres, aber nicht grelles Licht bietet, um das Aufwachen zu unterstützen, und abends automatisch auf warme, gedämpfte Töne dimmt, um den Körper auf den Schlaf vorzubereiten. Essentiell ist die Integration eines extrem sanften, roten oder bernsteinfarbenen Nachtlichts, das nur minimal in den verschlafenen nächtlichen Toilettengang eingreift und verhindert, dass Gäste durch helle Reize zu wach werden und dadurch schlecht wieder einschlafen können. Ist dies zu komplex umzusetzen hilft schon ein simpler Dimmer (auch nachträglich integrierbar) sehr!

Spa-Beleuchtung und HCL: Maximale Entspannung fördern

Im Spa-Bereich dient das HCL-Konzept dazu, maximale Entspannung zu fördern: Die Systeme nutzen primär sehr warme, gedämpfte Lichtfarben (typischerweise unter 2700 K) ohne störende Blendeffekte, um die Melatoninproduktion zu unterstützen und einen harmonischen Übergang in die Ruhezone zu schaffen.

Fazit: Lichtplanung im Hotel

Die Licht– und Beleuchtungsplanung bei einem Hotel ist eine komplexe und anspruchsvolle Angelegenheit. Wir empfehlen allen Kolleg:innen einen Profi hinzuzuziehen und allen Hoteliers, sich diesem Thema gemeinsam mit Ihrem:r Architekt:in oder Ihrem:r Innenarchitekt:in besonders zu widmen.

Regine Geibel, 18.11.2025

Wir, Maren und ich, stehen mit unserer umfangreichen Hotelerfahrung Architekt:innen bei ihrer gesamten Hotel-Planung als Sparringspartner zur Verfügung und Hotelinhaber:innen für Neuplanung, Fresh Up und Beratung.

Weitere Infos:
Maren und ich gemeinsam unter dem Namen 8 SENSES
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