Staying another night: Französische Eleganz trifft auf New Yorker Vertikale

Reise
Der Turm vom Hotel The Pierre am Central Park
9.9.2026
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In dieser Reihe schreibt Carsten K. Rath über Hotels, die man entweder nicht mehr verlassen oder in die man zumindest möglichst bald wiederkommen möchte. Dieses Mal: Ein architektonischer Fixstern am Central Park – das „The Pierre“

Hotel The Pierre am Central Park: Außenansicht
Der Blick vom Mansarddach offenbart die exklusive Nachbarschaft © Yuxi Liu

Es gibt Gebäude, die einen Stadtteil definieren. Das „The Pierre“ ist ein solches Monument. 1930 entwarfen die damaligen Star-Architekten Schultze & Weaver das Hotel als 41-stöckiges Ausrufezeichen an der Fifth Avenue. Bis heute verkörpert es die perfekte Symbiose aus europäischer Eleganz und amerikanischem Fortschrittsglauben.

Das Haus ist ein Manifest architektonischer Beständigkeit – französischer Klassizismus, der sich elegant in die schwindelerregenden Höhen Manhattans schraubt.

Lobby in Hotel The Pierre mit Boden im Schachbrettmuster
Die Lobby des Pierre empfängt Gäste mit der zeitlosen Eleganz des alten New York © Yuxi Liu

Das Art-déco-Juwel mit seinem ikonischen, türkisfarbenen Mansarddach markiert das architektonische Herz der Upper East Side. Als ich die Lobby betrete, verlasse ich das pulsierende Leben der Metropole und betrete eine cineastische Bühne. Das von Champalimaud Design kuratierte Interieur spielt meisterhaft mit Kontrasten: Der Boden aus schwarz-weißem Marmor im Schachbrettmuster und die schweren Kristalllüster atmen die Aura des „alten New York“.

Rotunda im The Pierre mit restaurierten Fresken und Daniel Romualdez
Die Rotunda besticht durch ihre frisch restaurierten Fresken und Daniel Romualdez’ theatralisches Lichtkonzept © Yuxi Liu

Besonders das Restaurant „La Rotunda“ mit seinen handgemalten Wandgemälden zeugt von einer prunkvollen Detailverliebtheit, die man in der modernen Glas-Architektur kaum noch findet.

Die Grand Suite im Hotel The Pierre in New York am Central Park
Die Grand Suite verbindet klassisches Interieur mit modernen Akzenten hoch über Manhattan © The Pierre
Marmorbad im Hotel Pierre mit Blick auf New York
Massive Marmorbäder bewahren die historische Substanz inmitten modernster technischer Erneuerungen © The Pierre

Die Evolution des privaten Raums

Die Marke Taj wurde von Brand Finance in den Jahren 2021 und 2022 als weltweit stärkste Hotelmarke nach Markenstärke eingestuft. Seit 2024 ist Spiridon Sarantopoulos als General Manager und Area Manager tätig – ihn kenne ich noch gut aus gemeinsamen Zeiten in Deutschland.

Die Architektur des „The Pierre“ ist eine Geschichte der Transformation. 1959 wurden Teile des Hauses in Privatresidenzen umgewandelt – ein kluger Schachzug, der Ikonen wie Elizabeth Taylor und Yves Saint Laurent dauerhaft eine Heimat gab. Heute sind 13 dieser legendären Apartments als „Grand Suites“ zurück im Portfolio.

In diesen Räumen wird eine Modernisierung mit Fingerspitzengefühl spürbar. Unter der gestalterischen Hand von Ryan Korban erhielten die Suiten ein technologisches Upgrade, das diskret hinter Seidentapeten und maßgefertigtem Mobiliar verschwindet.

Die massiven Marmorbadezimmer mit ihren hochglanzpolierten Steinen blieben als historische Anker erhalten. Dieses architektonische Erbe überstand selbst die umfassende technische Erneuerung von High-Speed-Connectivity bis hin zu lautlosen Klimasystemen unbeschadet.

Das Foyer der Escoffier Suite im Hotel The Pierre in weiß und beige
Das Foyer der Escoffier Suite inszeniert den Übergang zwischen klassischer Antiquität und moderner Lichtführung © The Pierre
Der Living Room der Getty Suite im Pierre mit hellem Sofa und Sessel
Der Living Room der Getty Suite zeigt, wie sanfte Farbtöne und architektonische Details Weite im Raum schaffen © The Pierre

Kulinarik als räumliches Erlebnis

So wie das „The Pierre“ auf einem massiven, klassizistischen Fundament aus dem Jahr 1930 steht, nutzt Küchenchef Vincenco Garofalo seine neapolitanischen Wurzeln als Basis für die „Baustoffe“ seiner Kreationen: jahrhundertealte Rezepte, einfache, aber perfekte Zutaten und handwerkliche Präzision. Mit ihren Cortina-Lederbanquetten und den Traverso-Stühlen schafft die „Two E Bar & Lounge“ eine haptische Kulisse, die zeigt, wie konsequente Gestaltung Genuss ästhetisch veredelt. Garofalo ist ein Meister der kulinarischen Tektonik. Er nutzt moderne Techniken wie Sous-vide-Garen oder Fermentationsprozesse, um den Eigengeschmack der Zutaten – etwa fangfrischen Oktopus von der Ostküste mit kalabrischer Nduja – freizulegen. Der neuste Clou des Küchenchefs: Beim „Le Petit Chef“-Dinner verwandelt 3D-Mapping meinen Tisch in eine temporäre digitale Bühne – eine charmante Symbiose aus Lichtspiel und Haute Cuisine.

Two E Bar im Hotel The Pierre. Dunkle Stühle, große Bar, helle Decke, eckige Säulen
In der „Two E Bar“ verschmelzen haptische Leder-Interieurs und warme Lichtakzente zu einer zeitlosen Kulisse © Linda Xiao

Ein Monument der Balance

Nach diesem digital-gastronomischen Intermezzo führt mein Weg auf die „Rosé Terrace“. Beim Blick auf den Central Park wird mir die gestalterische Brillanz des Hauses klar. Unter der Führung von „Taj Hotels Resorts and Palaces“ beherrscht das „The Pierre“ die Klaviatur zwischen seinem architektonischen Erbe und mutiger Moderne wie kaum ein zweites Haus in New York. Ein Platz im weit oben im Ranking der 101 Besten wäre dieser lebendigen Ikone sicher.

Die Terrasse bietet einen privaten Logenplatzüber der Skyline und dem Grün des Central Parks © The Pierre

Jetzt neu: PODCAST – „Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101“ von Carsten K. Rath, der bei den besten und spannendsten Gästen und herausragendsten Hoteliers hinter die Kulissen blickt. U. a. via Apple Podcasts, Spotify und YouTube.Mehr Infos zu Carsten K. Rath gibt es hier.