
In der Hotellerie entscheidet längst nicht mehr nur das Design über das Gästeerlebnis. Neben Licht, Duft und Materialien spielt auch der Klang eines Ortes eine wichtige Rolle. Genau hier setzt das Konzept des Soundscaping an: die bewusste Gestaltung der akustischen Umgebung, um Emotionen zu steuern, Orientierung zu geben und das Wohlbefinden der Gäste zu steigern.
Soundscaping beschreibt die gezielte Planung und Gestaltung von Klanglandschaften in Räumen. Dabei geht es nicht einfach nur um Hintergrundmusik, sondern um eine durchdachte akustische Atmosphäre. Geräusche, Musik, Naturklänge oder auch Stille werden so eingesetzt, dass sie die gewünschte Atmosphäre eines Ortes unterstützen.
In Hotels kann Soundscaping helfen, Markenidentität hörbar zu machen, Stress zu reduzieren und bestimmte Stimmungen zu erzeugen – etwa Ruhe, Energie oder Exklusivität.
In der Neuroästhetik – der Wirkung von Sinneseindrücken auf das Gehirn – mit der ich mich in meinen Planungsprojekten und in Vorträgen befasse, ist Soundscaping ein wichtiger Faktor und wird im Hotel gezielt eingesetzt, um Atmosphäre, Entspannung und Gästeerlebnis zu optimieren. (Maren Boettcher)
Die Lobby ist meist der erste akustische Eindruck eines Hotels. Hier eignet sich ein ruhiges, einladendes Klangbild, das Ankommen und Orientierung erleichtert.
Mögliche Elemente:
Wirkung:
In gastronomischen Bereichen kann Soundscaping gezielt das Ess- und Trinkverhalten sowie die Verweildauer beeinflussen.
Beispiele:
• lebendigere Musik am Abend in der Bar
• ruhigere Klanglandschaften beim Frühstück
• abgestimmte Musikrichtung passend zur Küche oder zum Konzept
Wirkung:
• angenehme Gesprächsatmosphäre
• höhere Aufenthaltsqualität
• gezielte Steuerung der Energie im Raum
Hier spielt Soundscaping eine besonders große Rolle. Ziel ist eine tiefe Entspannung und Abschirmung vom Alltag.
Typische Klangwelten:
Wirkung:
Korridore und Übergänge werden oft akustisch vernachlässigt. Gerade hier kann Soundscaping Orientierung und Atmosphäre schaffen.
Möglichkeiten:
Wirkung:
Im Zimmer sollte die individuelle Kontrolle durch den Gast im Mittelpunkt stehen.
Optionen:
Wirkung:
Ein häufiger Fehler ist zu laute Hintergrundmusik. Soundscaping funktioniert am besten, wenn Klänge subtil und atmosphärisch bleiben.
Wichtig sind: unterschiedliche Lautstärken je nach Tageszeit, Anpassung an Besucherfrequenz, Vermeidung von akustischer Überladung
Die Klangwelt sollte zur Markenidentität des Hotels passen.
Beispiele: Naturresort → organische Naturklänge, Designhotel → zum Beispiel minimalistische elektronische Klangflächen, Luxushotel → elegante, zurückhaltende Musik
Soundscaping funktioniert nur gut, wenn auch die bauliche Akustik stimmt.
Wichtige Faktoren:
Die Klanglandschaft sollte sich im Laufe des Tages verändern:
Richtig eingesetzt kann Soundscaping mehrere positive Effekte erzielen:
1. Emotionales Wohlbefinden: Klänge beeinflussen unmittelbar Stimmung und Stresslevel.
2. Stärkere Markenwahrnehmung: Ein charakteristisches Klangkonzept macht das Hotel unverwechselbar.
3. Höhere Aufenthaltsqualität: Gäste fühlen sich entspannter und bleiben länger in bestimmten Bereichen.
4. Multisensorisches Erlebnis: Sound ergänzt Architektur, Licht und Duft zu einem ganzheitlichen Raumgefühl.