Strategische Allianzen: Warum Premiumhotels ihre Einrichtung neu erfinden

Mindstyle
Hotel Post am See, Zimmer mit Balkon und Seeblick
© Gröller Hospitality/Christof Wagner
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In der gehobenen Hotellerie reicht ein ansprechendes Farbkonzept längst nicht mehr aus, um sich im Wettbewerb abzuheben. Wer anspruchsvolle Gäste emotional binden und Räumen eine unverwechselbare Identität verleihen möchte, setzt vermehrt auf konzeptionelle Markenkooperationen. Denn maßgeschneiderte Marken-DNA entsteht, wenn Architekt:innenen, Interior Designer:innen und Premium-Brands von Beginn an zusammenarbeiten. Das Ergebnis: Räume, die nicht nur gebucht, sondern als Haltung und Lebensgefühl erinnert werden.

Was genau wir damit meinen, zeigen die folgenden Praxisbeispiele, wo Design und Hospitality erfolgreich verschmelzen.

1. Das maßgeschneiderte Lichtobjekt

Grand Hotel Les Trois Rois x Artemide x Herzog & de Meuron

Wenn Beleuchtung Raumstrukturen inszenieren soll, stößt Standardware schnell an ihre Grenzen. Für die Smokers Lounge „The Council“ im Basler Grand Hotel Les Trois Rois entwickelten die Architekten Herzog & de Meuron gemeinsam mit dem italienischen Lichtpionier Artemide eine eigene Akkuleuchte – die „Trois Rois“. Veloursbespannung und Beschichtung der Lampenfüße wurden exakt auf die Farbwelt der Polstermöbel abgestimmt.

Erfolgsfaktor: Exklusive Produktentwicklungen lösen spezifische räumliche Herausforderungen und lassen sich sogar als eigenständige Designkollektion im Fachhandel etablieren – wie in diesem Fall der spätere Launch auf dem Salone del Mobile bewies.

„Ein Raum entfaltet seine volle Wirkung erst, wenn Licht, Materialität und Architektur dieselbe Sprache sprechen. Maßgeschneiderte Co-Creations wie die 'Trois Rois' heben das Gästeerlebnis auf ein neues narratives Level.“ (CHOSEN by Architects)
Zigarrenlounge mit roten Sofas im Grand Hotel Les Trois Rois
© Grand Hotel Les Trois Rois

2. Textile Identität und maßgefertigte Raumwelten

Hotel Post am See x JAB Anstoetz

Textilien sind das haptische Herzstück der Innenarchitektur. Bei der Neukonzeption des 4-Sterne-Superior-Hotels Post am See in Traunkirchen ging die Eigentümerfamilie Gröller gemeinsam mit arkan zeytinoglu architects und JAB Anstoetz weit über übliche Kollektionsauswahlen hinaus. Sämtliche Wandtapezierungen, Polster und Kissenlandschaften wurden als exklusive Sonderanfertigungen für das Haus realisiert.

Erfolgsfaktor: Durch die enge Partnerschaft mit Textilspezialisten wird das Interieur vom bloßen Einrichtungsdetail zum tragenden Element der Markenidentität.

„Sonderanfertigungen bei Stoffen und Prints erlauben eine unverwechselbare Ästhetik, die man in keinem anderen Haus der Welt wiederfindet.“ (CHOSEN by Architects)
© Gröller Hospitality/Julia Nimke für das Hotel Post am See

3. Pop-up-Installationen als Dynamik-Garanten

Lily of the Valley x Balzac Paris / The Charles Hotel x Alpenherz

Nicht jede Kooperation muss auf Dauer angelegt sein. Zeitlich begrenzte Interventionen bringen Frische in etablierte Häuser. An der Côte d'Azur erweiterte das von Philippe Starck entworfene Resort Lily of the Valley sein Profil durch den Pop-up-Store „Balzac of the Valley“.

Villa mit Ledersofa im Hotel Lily of the Valley
© Lily of the Valley

Im Münchner The Charles Hotel sorgt ein jährliches Wiesn-Dinner in Kooperation mit dem Modelabel Alpenherz für lokale Verankerung und internationale Strahlkraft.

The Charles Hotel Lounge mit schweren Samtsesseln
© The Charles Hotel

Ein potenzieller Erfolgsfaktor, weil temporäre Formate die Strahlkraft partnerübergreifender Zielgruppen nutzen und das Hotelkonzept dynamisch halten.

„Kuratierte Pop-ups und Fashion-Events aktivieren Bestandsflächen wie Lobbys oder Terrassen neu und können Aufmerksamkeit in relevanten Medien erzeugen.“ (CHOSEN by Architects)

4. Die Königsklasse: Vom Hotel zur eigenen Designmarke

Reschio Collections

Der radikalste Schritt ist die Transformation des Hotels in ein eigenes produzierendes Interior-Label. Auf dem italienischen Landgut Castello di Reschio gestaltete die Eigentümerfamilie Bolza mangels passender Marktlösungen sämtliche Möbel und Leuchten selbst. Daraus entstand die eigenständige Lifestyle- und Interiormarke „Reschio Collections“.

Erfolgsfaktor: Das Hotel fungiert als ultimativer Showroom. Die Ästhetik des Hauses wird direkt monetarisiert und verlängert den Aufenthalt in den Alltag des Gastes.

„Wenn ein Haus Haltung ausdrückt, gibt es keine ehrlichere Form der Markenbindung, als wenn Gäste die Stücke für ihr eigenes Zuhause bestellen.“ (CHOSEN by Architects)
Landgut Castello di Reschio, Interior mit Leuchten
© Reschio Collections

Was erfolgreiche Markenkooperationen ausmacht

Markenkooperationen bieten für alle Beteiligten enorme Chancen, erfordern jedoch ein klares Strategiekonzept. Aus unserer Erfahrung und Perspektive auf internationale Design-Hotels entscheiden drei Faktoren über den nachhaltigen Erfolg:

  • Echter Brand Fit statt Logo-Platzierung: Eine Kooperation funktioniert nur, wenn die Haltung beider Marken übereinstimmt – sei es im Qualitätsanspruch, in der Nachhaltigkeits-Philosophie oder in der visuellen Sprache.
  • Operational Excellence: Ein Designobjekt im Hotel muss den hohen Belastungen des Betriebsalltags standhalten. Ästhetik darf niemals auf Kosten der Funktionalität gehen.
  • Organische Integration: Kooperationen dürfen nicht wie nachträgliche Werbeflächen wirken, sondern müssen tief in die Architektur und das Nutzungskonzept eingebunden sein.