
In dieser Reihe schreibt Carsten K. Rath über Hotels, die man entweder nicht mehr verlassen oder in die man zumindest möglichst bald wiederkommen möchte. Dieses Mal: Ein alpines Gesamtkunstwerk, das Schweizer Bergwelt und asiatische Ästhetik zu einer eigenen Architektursprache verbindet – das „The Chedi Andermatt“.
Es gibt Hotels, die werden gebaut. Und es gibt Hotels, die verändern einen Ort. Als der ägyptische Unternehmer Samih Sawiris seine Vision für Andermatt entwickelte, hielten viele das Vorhaben für vermessen. Ausgerechnet in dem kleinen Bergdorf sollte eines der außergewöhnlichsten Luxushotels der Alpen entstehen. Heute ist „The Chedi“ das Herzstück einer Destination, die Andermatt neu definiert hat. Das Hotel eröffnete 2013 und wurde zum architektonischen Fixpunkt dieser Entwicklung.

Das Faszinierende daran: Sawiris setzte nicht auf einen spektakulären Fremdkörper, sondern auf Architektur, die ihren Standort respektiert und ihn zugleich international interpretiert. Damit wurde „The Chedi“ auch zum Symbol dafür, wie ein einzelnes Hotel die Wahrnehmung einer ganzen Destination verändern kann.
Verantwortlich für die Architektur zeichnet der Belgier Jean-Michel Gathy mit seinem Büro Denniston, einer der prägenden Gestalter internationaler Luxushotellerie. In Andermatt verbindet er zwei Welten, die auf den ersten Blick kaum zusammengehören: die Schweizer Alpen und Asien.

Statt Folklore entstehen großzügige Räume aus dunklem Holz und Naturstein, hohe Decken, offene Kamine und immer wieder Blickachsen in die Urner Bergwelt. Selbst die große Baumasse gliedert Gathy in einzelne Giebelbauten, deren Fassaden vertikale Holzlamellen prägen. Asiatische Einflüsse zeigen sich weniger in dekorativen Zitaten als in Proportionen, Lichtstimmungen und einer fast meditativen Ruhe. Gerade diese Zurückhaltung verhindert, dass aus dem Kulturmix ein Themenhotel wird.
Ich liebe dieses Haus wegen dieser Gegensätze. Es wirkt monumental und zugleich behaglich, dunkel und dennoch warm, international und fest mit seinem Standort verbunden. Das Erstaunlichste: Auch mehr als ein Jahrzehnt nach der Eröffnung wirkt Gathys Entwurf erstaunlich zeitlos.

Die Gestaltung setzt sich in den 120 Zimmern und Suiten fort: Holz, Naturstein, warme Schwarz-, Rot- und Brauntöne sowie Kamine übersetzen alpine Wohnlichkeit in eine zeitgenössische Form. Besonders eindrucksvoll empfinde ich, wie selbstverständlich die Landschaft Teil der Innenarchitektur wird. Große Panoramafenster holen Berge und Licht in die Räume.
Auch öffentliche Bereiche werden zu architektonischen Inszenierungen. Im Restaurant steht ein fünf Meter hoher, verglaster Käseturm wie eine Skulptur im Raum. Der 2.400 Quadratmeter große Spa wiederum lebt von Dimension, Materialität und Ruhe; Innen- und Außenpool sowie eine tibetisch inspirierte Relaxation Lounge führen den alpin-asiatischen Gedanken weiter.
.webp)
Auch ökologisch wurde die Architektur weitergedacht: Das Haus setzt unter anderem auf Strom aus Wasser- und Windkraft der Gotthardregion sowie CO₂-neutrale Fernwärme aus regionalen Holzschnitzeln. Nachhaltigkeit wird damit technisch in den Betrieb integriert.
Doch selbst das beste Design bleibt Kulisse, wenn die Menschen fehlen. Und genau hier spüre ich derzeit einen neuen Geist. Ein T-Shirt, das ich zur Reinigung gebe, kommt mit sorgfältig genähtem kleinem Riss zurück. Kein Hinweis, keine Rechnung, keine Inszenierung. Einfach Aufmerksamkeit.
Seit September hat Thomas Goval die Führung des Hauses übernommen. Von den „101 Besten“ wurde er bereits als „101 Next Gen Hotelier of the Year 2026“ ausgezeichnet das passt zu einem Haus, das auch im Ranking selbst Maßstäbe setzt: Aktuell ist das The Chedi Andermatt „101 Luxury Design & Architecture Resort of the Year“.
.webp)
Auch der neue „101 Next Gen Hotelier of the Year 2027“ kommt aus dem The Chedi Andermatt: Konrad Hocker-Scholler ist Director of Rooms und wurde in diesem Jahr vom 101 Kuratorium für den Sonderpreis ausgewählt. Vielleicht liegt genau darin die besondere Qualität dieses Hotels: Sawiris hatte die Vision, Gathy gab ihr eine Form – und eine neue Generation führt sie weiter.
.webp)
.webp)

PODCAST – „Minibar-Geständnisse, aus Zimmer 101“ von Carsten K. Rath, der bei den besten und spannendsten Gästen und herausragendsten Hoteliers hinter die Kulissen blickt. U. a. via Apple Podcasts, Spotify und YouTube.

.webp)