
Bambus wächst rasant, speichert große Mengen CO₂ und kann technisch so verarbeitet werden, dass er selbst im Außenbereich zum Einsatz kommt. Damit wird das Material zunehmend auch für Architektur und Bauwirtschaft interessant. Wir haben mit Cécile Durand und Michael van Houten von MOSO Bamboo darüber gesprochen, was das Material kann.
Céline Durand: Im Hinblick auf zukunftsfähige Baumaterialien ist Nachhaltigkeit ein gewichtiges Argument. Die Bambusart „Moso“, die wir für unsere Produkte einsetzen, gehört zu den am schnellsten wachsenden Pflanzen der Welt: Innerhalb weniger Monate erreicht sie bis zu 20 Meter Höhe und wächst in der Saison bis zu einen Meter pro Tag. Nach etwa fünf Jahren sind die Stämme erntereif und besitzen hartholzähnliche Eigenschaften wie Härte, Stabilität und Stärke. Hartholz benötigt dafür dagegen oft 50 bis 100 Jahre. Ein weiterer Vorteil: Eine Bambuspflanze besteht aus mehreren Stämmen und bildet jedes Jahr neue Sprossen. In nachhaltig bewirtschafteten Plantagen können jährlich 20 bis 25 Prozent der Stämme selektiv geerntet werden, ohne dass die Pflanze abstirbt oder ein Kahlschlag nötig ist. Zudem ist Moso-Bambus ein enormer CO₂-Speicher: Unsere Bamboo-X-treme-Produkte binden etwas mehr als 1.660 Kilogramm CO₂ pro Kubikmeter Bambus – das entspricht dem CO₂-Ausstoß von 14.000 gefahrenen Kilometern eines Mittelklassewagens.
Michale van Houten: Auch die technischen Eigenschaften von Bambus als Baumaterial sind wirklich überzeugend. Wir haben für die Weiterverarbeitung zusätzliche Verfahren entwickelt, die sie weiter erhöhen. So kann man Bambusmaterialien auch dort einsetzen, wo klassisches Holz, auch Hartholz, an seine Grenzen stößt.
M. van Houten: Zum Beispiel für das Congress Center in Heidelberg, Wohngebäude wie den Danubeflats Wohntower in Wien, Hotels und Spa-Bereiche wie das Vabali Spa in Hamburg, hochfrequentierte Bereiche wie die neue Tribüne vom FC Fulham in London, S-Bahn-Stationen in Frankreich, den Flughafen in Madrid und Gebäudeteile für die Klöckner Pentaplast GmbH in Montabaur, aber auch private Bauprojekte.
C. Durand: Unsere Bambuselemente sind eine nachhaltige Alternative, auch für nicht erneuerbare Materialien. Das zeigen wir auch durch externe, unabhängige Prüfinstitute wie DGNB-, LEED- und BREEAM-Gebäudezertifizierungen oder QNG Ready.
M. van Houten: Außer Parkettböden, Dielen und Massivplatten für Innenbereiche gibt es mittlerweile auch Terrassendielen, Fassadenverkleidungen und Konstruktionshölzer für den Außenbereich, die für Bauprojekte eingesetzt werden können. Für den großflächigen Einsatz von Industriebambus gibt es im Grunde keine Einschränkungen mehr. Wir haben Verfahren entwickelt, mit denen wir das Rohmaterial Bambus so weiterverarbeiten, dass es in Härte, Stabilität, Widerstandsfähigkeit, Resistenz gegen Schimmel und Pilzbefall sowie Brandschutz so optimiert ist, dass es kaum Einschränkungen für den Einsatz gibt.
M. van Houten: Baubambus ist extrem langlebig. Wir geben für unsere Produkte eine Garantie von 25 Jahren; meist halten unsere Elemente deutlich länger. Die Pflegeintensität ist abhängig von der Nutzung. Bodenbeläge im Innenbereich sollte man normalerweise versiegeln oder ölen. Im Außenbereich wie Terrassen und Fassaden sind einige Produkte pflege- und wartungsfrei. Andere benötigen einmal pro Jahr eine Reinigung und Pflege.
C.Durand: Bambus wächst zwar fast auf der ganzen Welt, allerdings werden die Bambushalme in nördlichen Teilen, also auch in Europa, wegen der klimatischen Bedingungen nicht so groß und dicht. Europäischer Bambus kann als Material für Kleidung oder zur Isolation eingesetzt werden, erreicht aber nicht die Qualität anderer Regionen, die wir für unsere Bauprodukte benötigen. Wir setzen daher primär die Bambusart Phyllostachys edulis (Moso-Bambus) ein. Trotz der längeren Transportwege ist die Ökobilanz der Bambusprodukte dabei nach wie vor sehr gut.
M. van Houten: Man sollte sich mit Holz und der Verarbeitung von Holzwerkstoffen auskennen und holztechnische Eigenschaften angeeignet haben. Grundsätzlich kann jeder Tischler und Schreiner mit unseren Bambusprodukten arbeiten. Auch immer mehr Garten- und Landschaftsbauer nehmen unser Produkt mit in ihr Portfolio auf, Privatpersonen verbauen insbesondere unsere Terrassendielen.
C. Durand: Ja. Wir haben eben gerade ein Programm für die Wiederverwertung gestartet. Ein holländischer Partner gibt eine Rücknahme-Garantie für unsere Bambuselemente, bereitet die Ware wieder auf und bringt sie dann erneut auf den Markt. Das erhöht den Produktlebenszyklus und die Lebensdauer des Materials enorm.
MOSO International wurde 1997 gegründet und ist seit dem Europäischer Marktführer im Bereich von Bambus Produkten; Michael van Houten ist Vertriebsleiter für die Regionen DACH bei MOSO Bamboo, Cécile Durand Nachhaltigkeitsbeauftragte und zuständig für Zertifizierungen.
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