
Was kann Lehm im Bau und vor allem im Ausbau? Welche Vorteile gibt es? Was geht damit vielleicht nicht? Michael Weihele, Geschäftsführer der Firma naturbo, die auf Lehm-Trockenbausysteme spezialisiert ist, hat uns im Interview die wichtigsten Fragen punktgenau beantwortet. So viel vorab: Lehm ist spannender, als Sie dachten!
Lehmbauplatten sind industriell hergestellte Platten, die für kurze Bauzeiten sorgen. Die langen Trocknungszeiten sind somit gelöst. Verglichen zu Gipskarton sorgen sie für eine bessere Feuchteregulierung und besseren Schallschutz.
Lehm ist regional verfügbar, braucht kaum Energie in der Herstellung und ist hochtechnologisch, passt also perfekt zu den brandaktuellen Problemen auf dem Bau.
Ja, absolut. Mittlerweile kommen sogar immer mehr tragende Lehmziegel und Stampflehmwände in die Zulassung.
Sie werden überall dort eingesetzt, wo Trockenbau möglich ist. Von Holz- über Objektbau bis zum Bauen im Bestand ist alles möglich.
Vorteile und Nachteile von Lehm im Innenausbau
Er hat eine hohe Masse und dient damit als Wärmepuffer, reguliert die Luftfeuchtigkeit und sorgt für Behaglichkeit
Aktuell sind sie noch teurer als anderes Material, aber das verbessert sich mit zunehmender Skalierung. Außerdem ist Lehm nicht für direkten Spritzwasserbereich geeignet.
Lehm ist absolut langlebig und lädt sich nicht statisch auf, zieht also weniger Staub an. Zudem ist er gut zu reparieren.

Lehm und Gestaltung
Für alle Räume, bei denen die Aufenthaltsqualität eine Rolle spielt.
Mit Lehm sind jegliche Oberflächen von glatt bis grob möglich. Auch die Auswahl der Farben ist riesig. Es ist nur wichtig, am Ende auch eine Lehmfarbe und keine „herkömmliche“ Industriefarbe mit Chemikalien zu verwenden.
Lehm und Akustik
Eine verputzte Oberfläche ist für die Raumakustik nie ideal. Aber aufgrund der hohen Masse sind Lehmplatten super bezüglich Durchgangsschall.
Im Durchgangsschall sind einfach beplankte Lehmplatten oft vergleichbar mit doppelt beplankten Gipskonstruktionen.

Lehm und Nachhaltigkeit
Lehm bindet nur physikalisch ab. Wenn er also wieder mit Wasser versetzt wird, kann er endlos wiederverwendet werden.
Lehm ist wiederverwendbar und regional verfügbar. Außerdem hat er eine niedrige CO2-Bilanz.
Die ältesten existierenden Häuser sind mit Lehm verputzt. Eine Wartung ist nicht notwendig. Oberflächliche Beschädigung sind super zu reparieren.

Lehm und Gesundheit
Lehm reguliert die Luftfeuchtigkeit bei circa 50 Prozent. Wird es zu trocken, gibt er Feuchtigkeit ab. Wird es zu feucht, nimmt er die Feuchtigkeit auf. Das ist gut fürs Gebäude und gut für den Menschen. Durch die hohe innere Oberfläche können zudem Gerüche und Schadstoffe gebunden werden.
Lehm emittiert keine Schadstoffe, reguliert die Luftfeuchtigkeit und ist – verglichen mit anderen Putzen – in der Verarbeitung sehr angenehm.