Ein Haus für das Quartier

Mindstyle
© ARCOTEL Hotels
14.9.2026
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Die Alte Tabakfabrik Linz, ein denkmalgeschütztes Industriedenkmal von Peter Behrens, ist seit Jahren Kreativ-Hotspot der Stadt. Mit dem QUADRILL – vier neuen Baukörpern von Zechner & Zechner, die sich zum 109 Meter hohen Tower steigern – hat das Areal nun eine neue urbane Dimension bekommen.

Ein Hotel in einem solchen Quartier zu platzieren, ist das eine. Es so einzubinden, dass es dem Ort etwas gibt, statt ihm nur einen Namen zu leihen, das andere. Wir haben mit ARCOTEL Hotel-Vorstand Martin H. Lachout darüber gesprochen, wie aus rohem Beton, Naturstein und einem entschlossenen Design ein Haus wurde, das dem Quartier und der Stadt Linz tatsächlich etwas Neues gibt.

Herr Lachout, was ist mit dem ARCOTEL Tabakfabrik baulich entstanden und wie fügt es sich in das Linzer QUADRILL-Quartier ein?

Wir sind im QUADRILL Tower. Mit 109 Metern ist er das höchste Gebäude Österreichs außerhalb Wiens. Es gibt 189 Zimmer und Suiten. Eröffnet haben wir im April 2026. Für uns ist das kein beliebiges neues Haus im Portfolio, sondern unser Flagship – und ein bewusster Beitrag zum neuen QUADRILL-Quartier, nicht nur ein Gebäude darin.

Anmerkung der Redaktion: Eigentümerin der ARCOTEL Hotelgruppe, Dr. Renate Wimmer, die selbst aus Linz stammt, hat die Eröffnung als besonderen persönlichen Moment beschrieben – für sie ist mit dem Hotel ein neuer, wichtiger Ort für die Stadt entstanden, der den Geist der industriellen Architektur des Areals spürbar macht.

Wo ordnen Sie dieses Haus im Gesamtportfolio ein?

Dieses Hotel ist der absolute Höhepunkt unter unseren Häusern. Mit der Bodner-Baugesellschaft als Developer wollten wir gemeinsam etwas Besonderes schaffen – das sieht man schon an der Fassade, die bewusst keine klassische Lochfassade ist, sondern ein architektonisches Statement für das Quartier.

Arcotel: Die Säulen im gesamten Haus sind tragende Konstruktionsteile
Die Säulen im gesamten Haus sind tragende Konstruktionsteile © ARCOTEL Hotels

Welche Rolle spielen Materialien für Atmosphäre und Identität des Hauses?

Man sieht es schon an den Böden: In einem Zimmer haben wir Holzboden, in anderen Steinboden – das ist in Mitteleuropa für ein Hotelzimmer ungewöhnlich, wo man sonst meist Teppichboden findet. Das ist letztlich eine nachhaltige Entscheidung. Ich gehe nicht davon aus, dass wir diesen Boden in den nächsten 50 Jahren austauschen müssen. Eine klassische Fußbodenheizung, wie man sie von zuhause kennt, gibt es hier nicht. Geheizt und gekühlt wird über das Fan-Coil-System. (Anm. d. Red: ein Gerät mit einem Ventilator und einem Wasserschlauch, das die Raumluft schnell wahlweise erwärmt oder abkühlt.) Der Steinboden übernimmt also einfach die Raumtemperatur und ist dadurch tatsächlich etwas kühler. Dafür gibt es hochwertige „Schlapfen“ in Fünf-Sterne-Qualität, die die Gäste gerne mitnehmen. Ein Produkt, das weiterverwendet wird und an den Aufenthalt erinnert. Das ist für uns auch Nachhaltigkeit.

Wo war Nachhaltigkeit unbequem oder teuer – aber trotzdem richtig?

Außer bei der Wahl des Bodenbelags bei Wasser und Energie: Wir arbeiten mit Grundwasser und einer Solaranlage, die den Strom für die Grundwasserpumpen liefert. Das Gebäude sollte CO2-neutral sein. Die PV-Anlage sitzt hierfür nur auf den Dachflächen, nicht in der Fassade, das war von der benötigten Energiemenge her nicht notwendig. Ob sich das am Ende monetär auswirkt, wissen wir noch nicht, aber die Grundvoraussetzung war von Anfang an, hier nachhaltig zu wirtschaften – natürlich musste es sich betriebswirtschaftlich trotzdem tragen. Bei den Lebensmitteln setzen wir auf „R99", Radius 99, ein Label für regionale Herkunft. Komplett „Bio“ ist vor allem wegen Sonderwünschen der Gäste nur schwer realisierbar, aber die regionale Beschaffung gelingt uns zu einem großen Teil.

Die Lobby des ARCOTEL in Linz
Die Lobby des ARCOTEL Tabakfabrik in Linz © ARCOTEL Hotels

Was unterscheidet dieses Haus architektonisch von klassischen Stadthotels – und wie hat sich das Industrieerbe des Areals darin niedergeschlagen?

Alles ist sehr clean und reduziert, ganz bewusst, damit der Raum für sich spricht. Wir entschieden uns nicht für ein klassisch österreichisches Design mit schweren Vorhängen und floralen Mustern, sondern für etwas Geradliniges, das den Industriecharakter des Ortes aufgreift, ohne kalt zu wirken. Wir wollten erreichen, dass sich die Architektur des Quartiers im Design des Hauses widerspiegelt, gerade in geteilten öffentlichen Bereichen wie unserer zehn Meter hohen Lobby mit den Zigaretten an der Decke. Auch das „Linzer Blau", ein Türkiston, haben wir wieder aufgegriffen. Bewusste Überschneidungen, die zeigen, wo wir sind und woher wir kommen.

Welche gestalterische Entscheidung war besonders mutig oder aufwendig?

Die rohe Betondecke. Sie wurde mindestens viermal lasiert, um ihren Charakter zu erhalten. Wir sind zigmal aus Wien herausgefahren, um sie zu prüfen – eine raue Sichtbetondecke sieht man ja auch vom Bett aus, da darf sie nicht schmuddelig wirken. So eine Decke hat dadurch aber auch ein Eigenleben: Je nach verwendeter Holz- oder Kunststoffverschalung sieht jedes Stockwerk etwas anders aus, teils gibt es zum Beispiel „sichtbare Regenfälle“ in der Struktur, die wir mit der Lasur so gut eingebunden haben, dass es fast wie ein Kunstwerk wirkt. Auch mutig in der Gestaltung sind die Säulen. Sie sind tragende Konstruktionsteile und ziehen sich durchs ganze Haus.

Arcotel: Die rohe Betondecke wurde mindestens viermal lasiert, um ihren Charakter zu erhalten
Die rohe Betondecke wurde mindestens viermal lasiert, um ihren Charakter zu erhalten © ARCOTEL Hotels

Neben dem Frühstücks- und Seminarrestaurant im 1. OG gibt  es auch ein Rooftop-Angebot im 27. Stock. Was erwartet Gäste dort?

Hier oben öffnet sich Linz wie ein Panorama: Stadt, Donau, Umland, alles auf einen Blick. Das Q27 vereint Restaurant, Bar und Lounge zu einem fließenden Raum mit offener Küche aus schwarz‑grünem Naturstein, Stammtischnische und kleiner Sushi‑Bar. Zudem lockt eine windgeschützte Terrasse zum Genießen und Verweilen. Sichtbeton, dunkle Töne und ein präzises Lichtkonzept schaffen tagsüber Ruhe und abends die Atmosphäre einer Cocktailbar über der Stadt. Für uns ist das Q27 ein kulinarisches Statement für Linz. Kein Rooftop, sondern ein eigener Ort, der Architektur und Genuss auf eine Höhe bringt.

Wie fügt sich die Marke ARCOTEL Hotels in ein so eigenständiges, vom Quartier geprägtes Gebäude ein?

Sachlich sind wir ein Vier-Sterne-Haus in der Stadt. Was wir ausstrahlen wollen, ist Gastlichkeit. Mehr bieten, als der Gast erwartet. Das zeigt sich in vielen Dingen: Almdudler auf der Karte, österreichische Mineralwässer, Soletti, Manner-Schnitten. Kleine, unterschwellige Signale. In jedem unserer Häuser nehmen wir Rücksicht auf die Geschichte des Ortes. Wir haben bewusst keine Uniformität wie etwa Motel One. Bei uns erlebt man die Marke über die Qualität, kulinarisch wie im Schlafkomfort. Das ist die Brücke zum Gast. Und wenn er das spürt, kommt er wieder.

Das ARCOTEL im QUADRILL Tower. Mit 109 Metern ist er das höchste Gebäude Österreichs außerhalb Wiens
Das ARCOTEL Tabakfabrik im QUADRILL Tower. Mit 109 Metern ist er das höchste Gebäude Österreichs außerhalb Wiens © ARCOTEL Hotels

Weitere Informationen

  • Die Architektur stammt von Zechner & Zechner, die den entsprechenden Wettbewerb der Stadt Linz gewonnen haben
  • Der QUADRILL Tower ist mit 109 Metern das höchste Gebäude in Österreich außerhalb von Wien. Insgesamt sind 189 Zimmer und Suiten entstanden. Eröffnet wurde am 1. April 2026, nach einer Projektphase von 5 Jahren. (Baustart war 2021, Fertigstellung im Frühjahr 2026)
  • Das Hotel spricht vor allem Geschäftsreisende, Seminar- und Konferenzgäste sowie Firmenkunden an. Durch die Nähe zum Brucknerhaus und zur Tabakfabrik profitiert es zudem von Veranstaltungsbesuchern und setzt am Wochenende verstärkt auf Kultur- und Freizeitgäste. Auch Einheimische sind mit dem Restaurant eine wichtige Zielgruppe.
Anita Huber von CHOSEN by Architects und Martin H. Lachout © CHOSEN by Architecs

Eigentümerin der ARCOTEL Gruppe ist Dr. Renate Wimmer. Sie hat nach dem Tod ihres Mannes KR Raimund Wimmer im Jahr 2006 das Unternehmen übernommen. Seit September 2014 leitet Martin H. Lachout die ARCOTEL Hotel AG als Vorstand. Er ist für neue strategische Impulse im Hotelmanagement, in der Produktentwicklung und Internationalisierung zuständig und entwickelt die Hotels der ARCOTEL Gruppe weiter. Er blickt bereits auf eine lange Karriere in der Hotellerie zurück, inklusive 25 Hoteleröffnungen und -übernahmen in ganz Europa.