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Hotel Pfösl | Südtirol: Architektonisches Plädoyer für Naturverbundenheit

Berghotel
Hotel Pfösl in Südtirol, grüne Wiese und im Hintergrund das Hotel
© Marika Unterladstätter
Eine Symbiose aus Holz und dem Horizont der Dolomiten – so denkt bergmeisterwolf alpine Tradition neu.

Hoch oben auf dem sonnenverwöhnten Hochplateau von Deutschnofen, auf knapp 1.375 Metern, blickt das Green Luxury Hotel Pfösl direkt auf die monumentale Kulisse von Rosengarten und Latemar. Hier ist über die Jahre ein feinsinniges Ensemble gewachsen, das den mutigen Dialog zwischen historischen Südtiroler Wurzeln und einer klaren, zeitgenössischen Ästhetik sucht. Ein Ort für Design- und Naturliebhaber gleichermaßen, an dem die Architektur sich respektvoll vor der Landschaft verneigt.

Wenn Architektur mit den Dolomiten verschmilzt

Wer sich dem Hotel Pfösl nähert, spürt, dass hier die Gesetze des klassischen, alpinen Kitsches außer Kraft gesetzt wurden. Bei unserem Besuch offenbart sich uns ein Refugium, das durch konsequente und ernst gemeinte Nachhaltigkeit sowie aufregende Fassadenstrukturen besticht und im Inneren eine sehr persönliche und vielschichtige Geschichte erzählt.

Das Architekturbüro bergmeisterwolf hat die Typologie des traditionellen Südtiroler Gehöfts behutsam dekonstruiert. Das historische Herzstück ist ein über 300 Jahre alter Stadel. Dessen Denkmalschutz wurde von den Planern nicht als Fessel, sondern als gestalterischer Code für die Zukunft des traditionsreichen Familienbetriebs begriffen.

Neuere Baukörper ducken sich flach und respektvoll in das sanft gewellte Gelände, um die Sichtachsen auf die legendären Gipfel der Dolomiten freizuhalten. Besonders faszinierend ist die preisgekrönte Holzfassade des Pfösls. Sie wurde aus gebürsteter Lärche gestaltet, ist von traditionellen Heustadeln inspiriert und verbindet die verschiedenen Baukörper auf harmonische Weise miteinander. Dadurch verschmilzt das Gebäude optisch mit der Südtiroler Natur.

Eco Lofts und Infinitypool: Schwerelosigkeit auf 1.375 Metern

Zwei leicht geknickte Suitenriegel, die sich an das Stammhaus anschließen, fungieren als elegantes Bindeglied zur Natur. Ihre Oberflächen aus Beton, rauem Putz und naturbelassenem Holz zitieren die Haptik des alten Stadels und übersetzen sie in eine kompromisslos zeitlose Linienführung.

Das visuelle Meisterstück des Außenbereichs ist der spektakuläre Panorama-Infinitypool. Wenn man im angenehm warmen Wasser Richtung Horizont gleitet, verschmilzt die Kante des Beckens beinahe mit den schroffen Felswänden des Latemars. Diese Inszenierung von Weite setzt sich in den im Frühjahr 2024 fertiggestellten Eco Lofts fort. Die freistehenden, zweistöckigen Solitäre wirken wie skulpturale Holz-Cubes, die sanft auf der Wiese gelandet sind – inklusive privater Infrarotsauna für maximalen Rückzug.

Die persönliche Handschrift: Zwischen Designanspruch und Gemütlichkeit

Betritt man das Foyer des Green Luxury Hotels Pfösl, verändert sich die Atmosphäre. Die monolithische Strenge der Außenarchitektur weicht einem spürbar wärmeren, informelleren Vibe. Schnell wird klar: Dieses Haus wird nicht von einer anonymen Kette verwaltet, sondern von einer Familie gelebt. Überall im Interior begegnet man der Persönlichkeit und liebevollen Handschrift der Gastgeber:innen. Das macht das Pfösl so nahbar für Reisende, die keine „Design-Museen“, sondern ein Zuhause auf Zeit suchen.

Radikal plastikfrei: Das zirkuläre Ökosystem des Hotel Pfösl

Was das Naturhotel Pfösl über die reine Optik hinaus so außergewöhnlich macht, ist sein ehrliches, tief verwurzeltes Nachhaltigkeitskonzept. Hier wird Umweltschutz nicht als PR-Floskel plakatiert, sondern gelebt. Seit 30 Jahren bezieht das Hotel seine gesamte Wärme aus dem Biomasseheizwerk eines benachbarten Holzverarbeitungsbetriebs. Der Strom fließt zu 100 Prozent aus Südtiroler Wasserkraft.

Besonders konsequent zeigt sich die Haltung des Hauses im Alltag durch das Zero-Waste-Prinzip: Das gesamte Hotel inkl. Küche agiert plastikfrei. In den Badezimmern, feste Kosmetik- und Shampoowürfel der Südtiroler Naturkosmetikmanufaktur Team Dr. Joseph. Diese plastikfreien Naturprodukte duften herrlich und dürfen nach dem Aufenthalt in einem Leinensäckchen mit nach Hause genommen werden – ein wunderbare Idee und schöne Erinnerung.

Exklusive Einblicke: Das Spa der Zukunft entsteht bereits

Beim gemütlichen Kaffeeklatsch vor Ort mit den Eigentümer:innen Brigitte und Eva Zelger sowie Daniel Mahlknecht durften wir einen exklusiven Blick in die Zukunft des Hauses werfen. Wer glaubt, die Gastgeber:innen würden sich nach den vielen Umbauten ausruhen, täuscht sich. Hinter den Kulissen wird intensiv an der nächsten architektonischen Evolutionsstufe gearbeitet.

Der Wellnessbereich steht kurz vor einer signifikanten Erweiterung, bei der der Stadel eine Rolle spielen wird. Die Eigentümer:innen haben uns verraten, dass an einer Vergrößerung der Spa-Architektur gefeilt wird. Ziel ist es, das Konzept des ganzheitlichen Regenerierens räumlich noch tiefer zu verankern. Geplant ist ein Bau, der das Spa sowie zusätzliche, lichtdurchflutete Ruhezonen und Behandlungsräume beherbergt. Diese werden die Grenze zwischen dem Innenraum und der unberührten alpinen Natur vollends auflösen.

Es bleibt demnach spannend am Regglberg – das Pfösl bleibt architektonisch und konzeptionell im permanenten, progressiven Fluss.

(Stand Juni 2026)

In Sachen Transparenz: Wir danken dem Hotel für die Unterstützung unserer Recherche.

Wer die Handschrift des Büros bergmeisterwolf in einem ganz anderen, urban-historischen Kontext erleben möchte, findet in unserem exklusiven Review zum Hotel Badhaus eine kongeniale Ergänzung zu den alpinen Visionen des Pfösl.

facts
Hotel Pfösl | Südtirol: Architektonisches Plädoyer für Naturverbundenheit
architektur
bergmeisterwolf
innenarchitektur
In Zusammenarbeit zwischen bergmeisterwolf und der Eigentümerfamilie Zelger-Mahlknecht.
ausstattung
  • hochwertigen Materialien, wie einheimische Zirbe und Fichte
  • Eichenböden (Alpsfloor GmbH)
  • Flos-Nachttischleuchten und eigenangefertigte mundgeblasene Lampengläser (Murano, Mitlicht GmbH)
  • Badmöbel und Armaturen von Agape Bathrooms
  • Boxspringbetten von Simmons
  • Einbaumöbel von Erlacher und Tischlerei Tammerle, kombiniert mit antiken Möbelstücken aus Bauernhäusern der Umgebung
zimmeranzahl
67 unterschiedliche Zimmer (inklusive Naturdoppelzimmer, Suiten, freistehenden Waldchalets und den neuen Eco Lofts)
zertifikate
Mitglied bei Lifestyle Hotels, Vitalpina Hotels Südtirol, Belvita Hotels Südtirol, Slow Down Hotels und Select Green Hotels GSTC Zertifizierung: Ausgezeichnet mit der internationalen Zertifizierung für nachhaltigen Tourismus vergeben vom Global Sustainable Tourism Council Nachhaltigkeitslabel Südtirol Level 3: Ausgezeichnet mit Level 3 des Sustainability Labels Südtirol
energiestandard
energiekonzept
100 Prozent CO2-neutrale Wärmeversorgung über ein benachbartes Biomasse-Heizwerk (Holzverarbeitung); Strom zu 100 Prozent aus Südtiroler Wasserkraft; zirkulierendes Energierückgewinnungssystem für alle Kühlanlagen

Unsere Bewertung

adult only?
Das Pfösl ist kein klassisches Adult-Only-Hotel, jedoch durch seine architektonische Ausrichtung auf Ruhe, kontemplative Wellness-Zonen und ein anspruchsvolles Achtsamkeitskonzept vor allem für Ruhesuchende und Naturverbundende geeignet.
aktivität
Die Lage des Hotel Pfösl auf dem Hochplateau ist ein Freifahrtschein für Bewegung – oder für das genaue Gegenteil. Wer mag, bricht direkt ab Haustür auf: 530 Kilometer Wanderwege und die Spitzen der Dolomiten von Latemar bis Marmolata liegen quasi vor der Nase. Das Hotel selbst bietet ein herrlich unaufgeregtes Programm von geführten Kräutertouren und Yoga über gemeinsames Brotbacken am 300 Jahre alten Steinofen bis hin zu entschleunigenden Eselwanderungen. Im Winter geht es mit dem Shuttle ins nahe Ski Center Obereggen oder direkt ab Hotel auf die Loipen und Schneeschuhpfade. Kurz gesagt: Wem hier langweilig wird, ist selbst schuld – man kann aber auch einfach den ganzen Tag absolut gar nichts tun und nur in die Natur starren.
Architektur
Die Architektur des Hotel Pfösl ist eine eindrucksvolle Demonstration regionaler Integration und gestalterischer Finesse. bergmeisterwolf hat das bestehende Volumen durch horizontale Einschnitte in der Fassade optisch aufgebrochen und ihm so die typisch alpine Monumentalität genommen. Die angegliederten Suitenriegel fügen sich harmonisch in die wellige Topografie des Regglberger Hochplateaus ein. Naturmaterialien sowie Beton, Glas und regionaler Putz spiegeln die raue Textur des historischen Bestandsstadels wider. Die freistehenden Eco Lofts aus dem Jahr 2024 demonstrieren als skulpturale Holz-Cubes besonders eindrucksvoll, wie moderner Luxus minimalinvasiv in die Natur integriert werden kann.
atmosphäre
Das Pfösl ist ein entspannter Rückzugsort, der trotz seines hohen Anspruchs ganz ohne Steifheit auskommt. Wir durften einen interessanten Kontrast erleben. Draußen am Infinitypool herrscht angesichts der nahen Dolomitengipfel eine fast meditative Stille. Im Inneren des Hotels weicht die architektonische Strenge einem informellen, familiären Vibe – ein unaufgeregtes und nahbares Ambiente, was vor allem am präsenten, persönlichen Engagement der Gastgeber:Innen liegt.
interior
Das Interior Design spiegelt die Entwicklung des Hauses wider. Aufgrund der verschiedenen Bauphasen und stetigen Erweiterungen hat sich im Inneren ein Geflecht aus Wegen und charakteristischen langen Gängen entwickelt, das die Gäste auf eine Reise durch die Zeitebenen mitnimmt. Während die neuen Zirben-Suiten mit geradliniger Ästhetik überzeugen, dominieren in den älteren Trakten traditionellere Stilrichtungen. Bei der Einrichtung wurde auf wohngesunde Materialien wie heimische Zirbe, Fichte und Lärche gesetzt, die mit Naturstoffen und Simmons-Matratzen mit Woll-Kern kombiniert wurden. Deutlich spürbar ist die persönliche Handschrift der Gastgeber:innen, die eine liebevolle Dekorations-Detailfülle geschaffen haben. Für das ultra-minimalistische Auge, das nach formaler Reduktion sucht, mag dies an manchen Stellen vielleicht zu verspielt wirken. Es nimmt den Räumen ein wenig von der architektonischen Ruhe, die die äußere Hülle verspricht.
kindred spirits
Gleichgesinnte, die ein Bewusstsein für alpine Natur und einen achtsamen, nachhaltigen Lebensstil teilen, werden sich im Pfösl wohlfühlen. Hier treffen sich Genießer, Architekturliebhaber und umweltbewusste Individualisten, die Regionalität, Tradition und authentischer Entschleunigung zu schätzen wissen.
kunst
mindfulness
Das Urlaubskonzept „More Pfösl“ stellt das mentale Wohlbefinden ganzheitlich ins Zentrum. Bei unserem Aufenthalt fiel uns besonders das feinsinnige Wochenprogramm auf: von geführten Meditationen, Yoga und den „Fünf Tibetern“ über morgendliches Tautreten bis hin zu Waldbade-Einheiten werden die Sinne gezielt für die Natur sensibilisiert. Ganzjährig angebotene Retreats mit wechselnden Schwerpunkten sorgen dafür, dass man hier nicht nur tief entspannt, sondern auch spürbar fitter und mental nachhaltig gestärkt in den Alltag zurückkehrt.
nachhaltigkeit
Im alpinen Raum setzt das Hotel Maßstäbe für radikale, ehrliche Nachhaltigkeit abseits von bloßem Greenwashing. Das Pfösl agiert zu großen Teilen als zirkuläres Ökosystem: Neben der CO2-neutralen Energie- und Wärmeversorgung ist das gesamte Resort konsequent plastikfrei organisiert – symbolisiert durch die feste Naturkosmetik in den Bädern. Saisonalität in der Küche und bedingungslose Regionalität zieht sich durch alle Ebenen: vom hoteleigenen Acker, über die hiesigen Hölzer und Handwerkspartnerschaften bis hin zu den Schlafsystemen, gefüllt mit der Wolle des heimischen Villnösser Brillenschafs. Zudem Engagement für den Artenschutz direkt vor der Tür, wo bedrohte Südtiroler Grauvieh-Ochsen auf den hoteleigenen Almwiesen ein Zuhause gefunden haben. Man spürt an jeder Ecke: Ökologie mit Herzblut und echtem Verstand getragen – von der Gastgeberfamilie bis hin zu den über 50 Mitarbeitern.
soulfood
Die „Naturküche“ unter der Leitung von Küchenchef Reinhard Daverda zelebriert ein radikales Farm-to-Table-Konzept mit exzellenter Qualität, das manchmal jedoch mit gewöhnungsbedürftigen, experimentellen Geschmacksrichtungen einhergehten kann. Über 50 Heil- und Gartenkräuter sowie Gemüse stammen direkt aus dem hoteleigenen Bauerngarten und werden durch jährlich 1.000 Kilogramm eigener Bio-Kartoffeln vom angrenzenden Acker ergänzt. Darüber hinaus arbeitet die Küche des Pfösls ausschließlich mit Lieferanten zusammen, die auf faire und artgerechte Herstellung achten. Auch bei den Getränken wird auf ein Angebot ohne Farb- und Konservierungsstoffe geachtet.
spa & treatments
Das über 2.000 Quadratmeter große „naturaspa” punktet mit einer beeindruckenden Saunalandschaft, Ruhezonen und einem Außenbereich mit Biopool sowie dem grandiosen Infinity-Solepool. Bei unserem Aufenthalt haben wir die Aufteilung stellenweise als etwas unübersichtlich empfunden und manche versteckte Ecke erst später entdeckt. Doch die Zukunft sieht vielversprechend aus: Eine erweiterte Spa-Architektur ist geplant, die noch großzügigere, lichtdurchflutete Ruhezonen bieten wird, in denen Drinnen und Draußen vollends verschmelzen. Die Treatments basieren exklusiv auf bio-zertifizierter High-Tech-Naturkosmetik von Team Dr. Joseph und nutzen die Kraft alpiner Rohstoffe wie Silberquarzit, Latschenkiefer und Bergkräuter.
wie bei freunden
Dieses Credo wird im Pfösl nicht als Floskel verwendet, sondern als gelebte Realität zelebriert. Die Inhaberfamilie steht nämlich täglich im direkten Gästekontakt. Sei es bei geführten Kräuterwanderungen mit Brigitte, bei einer Yogasession mit Eva oder bei der gemeinsamen Sommelier-Beratung an der Bar durch Daniel – die Interaktionen sind auf Augenhöhe und zutiefst authentisch. Im Gespräch spürt man, dass dieses Haus ein leidenschaftliches Familienprojekt ist und so mancher Stammgast (manch einer war schon über 50 Mal da) längst dazugehört. Auch als Neuling wird man herzlich aufgenommen und dennoch gilt: Alles kann, nichts muss.
Hunde
Gegen Aufpreis sind Hunde im Pfösl willkommen. Spezielle Zimmerkategorien mit direktem Zugang zu den Naturwiesen bieten den Rahmen für einen entspannten Aufenthalt mit dem Vierbeiner.

Persönliche Empfehlungen

Unbedingt machen!
  • Beim Anheizen des 300 Jahre alten Steinofens dabei sein
  • Unter Anleitung der Gastgeber:innen Brigitte und Eva ein eigenes Sauerteigbrot aus der seltenen Ur-Roggensorte Waldstaude kneten und es abends noch ofenwarm mit hausgemachter Latschenkiefer-Butter auf der Zunge zergehen lassen
  • Den freundlichen Eseln einen Besuch abstatten

Nichts für Menschen, die
  • ein homogenes, ultra-minimalistisches High-Tech-Designresort ohne traditionelle Brüche suchen.
  • eine urbane, lebhafte Partyszene in direkter Hotelumgebung erwarten.