
Eine Interview-Reihe mit interessanten Architekt:innen über Dos und Don'ts bei der Hotelarchitektur: Was macht ein gutes Hotel aus? Was sind die schlimmsten No-Gos? Und welches ist ihr Lieblingshotel? Hier: DREIMETA, Augsburg
Maren Mogalle: Ich finde, man sollte das Gefühl haben, nicht in einer anonymen Übernachtungsmaschine angekommen zu sein. Der Raum und die Funktionen sollten sich nach dem Betreten von selbst erklären, auch etwas Überraschendes – sei es ein Kunstwerk, ein toller Ausblick oder ein architektonisches Highlight – bestenfalls ein Eindruck der bleibt, ist ganz wichtig. Reisen sind die zukünftige Erinnerung an sich selbst.
Ich denke, es nervt jeden, wenn man erst eine Technik-Schulung braucht, um das Licht im Hotelzimmer zu dimmen oder auszumachen – da wird immer mal wieder übers Ziel hinausgeschossen… Für unsere Lichtkonzepte in den öffentlichen Bereichen ist es meist notwendig, viele Einstellungen vorzunehmen, bis wir zufrieden sind, manche Details sind schlicht nicht planbar. Änderungen, und sei es nur ein Strahler aus einer Lichtschiene genommen und in eine andere eingesteckt, sind mit den aktuellen Lichtsteuerungssystemen nicht schnell und einfach umsetzbar. Das führt immer wieder mal zu Unmut…

Ein sehr bekannter Hotelier hat mal gesagt „Wir verkaufen Betten“. Was er damit sagen will, ist, dass das Bett, die Matratze und die Bettwäsche oberste Priorität hat. Damit hat er wohl nicht ganz unrecht. Darüber hinaus sind wir der Meinung, dass ab einem gewissen Standard, das WC in einem Hotelzimmer immer separiert sein sollte und nicht im Bad integriert. Und je einfacher alles funktioniert, desto besser; es sollte sich von alleine „erklären“ – wie ein iPhone intuitiv sein.
Wenn wir in einem Projekt die Gelegenheit haben einen Wellness Bereich zu planen, dann hat oberste Priorität ihn so zu verorten, dass der Gast nicht im Bademantel durch die Lobby oder den öffentlichen Bereich gehen muss. Manchmal, im Bestand, geht es aber halt nicht anders… Zudem sollte dieser ruhige Bereich nicht neben einem lauten, also zum Beispiel dem Fitnessbereich, liegen.
Wir würden nur sehr ungern ein Hotel planen, in dem es keine Rezeption gibt und man nur am Automaten eincheckt. Das ist aus unserer Sicht ein absolutes No-Go und hat mit „Hotel“ nichts zu tun. Gastfreundschaft ist etwas Persönliches und wird von den Mitarbeiter:innen eines Hauses zum Gast getragen. Ansonsten sehen wir Hygienethemen eigentlich als selbstverständlich an. Dinge wie Duschvorhänge sind ebenfalls ein No-Go. Unserer Philosophie entspricht es zudem, echte authentische Materialien zu verwenden. Fliesen in Holzoptik und PVC-Böden sind verboten!
Es ist immer schön zu sehen, wenn in „unseren“ Häusern das Konzept von den Mitarbeiter:innen eines Hauses gelebt wird und an den Gast weitergetragen wird. Nur so ist die von uns gedachte Gestaltung auch nachhaltig. Ein hübsches Haus ohne Gastfreundschaft ist eben nur ein hübsches Haus... Wenn man sieht, wie sehr sich die Menschen mit einem neu geschaffenen Produkt oder Ort identifizieren, das begeistert uns!
Ein Lieblingshotel? Es gibt mehrere Orte, die mich tief berühren – „Los Enamorados“ auf Ibiza, das „Cervo“ in Zermatt oder „La Granja“ – sie alle haben etwas Gemeinsames: Man kommt an und fühlt sich augenblicklich ruhig, fast geerdet. Es ist diese besondere Stimmung, die einen umfängt – getragen von Gastgebern, die mit Herzblut und Persönlichkeit ihre Häuser prägen. Die Verbindung zum Ort, zum Konzept, zu jedem Detail ist spürbar. Man ist nicht einfach Gast, sondern Teil eines Ganzen. Genau das macht diese Orte für mich so besonders.


