
Im EmiLu in Stuttgart gleicht kein Zimmer dem anderen. Die unterschiedliche Architektur des spannenden Bestandsgebäudes wurde zum Ausgangspunkt für individuelle Raumkonzepte. Ein Interview über die Design-Sprache des Hauses.
In diesem Sommer, während einer der heißesten Perioden des Jahres, waren wir zu Gast im EmiLu Hotel in der Stuttgarter Innenstadt. (Unseren Hotel-Bericht über das EmiLu inklusive eigener Eindrücke gibt es hier.)
„Ein bisschen New-York-Flair mitten in der Stuttgarter City.“ So haben wir uns im Hotel gefühlt. Die Ausstattung ist kosmopolitisch und designaffin. Das EmiLu entstand in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude aus den 1960er-Jahren. Der Kontrast zwischen den erhaltenen rauen Oberflächen und dem warmen, sorgfältig kuratierten Interior überzeugt. Besonders aufgefallen ist uns dabei eines: Jeder Raum und jede Ecke des Hotels ist anders, und dennoch zieht sich eine kohärente Design-Sprache durch das Haus. Welche Überlegungen prägten die Gestaltung der Zimmer? Welche Herausforderungen und Chancen ergaben sich beim Bau? Und wie lassen sich mit unterschiedlichen Raumkonzepten ganz eigene Wohngefühle schaffen? Die Macherinnen des EmiLu verraten es uns.
Jedes Zimmer hat beim Umbau seine Aufmerksamkeit gebraucht und wurde individuell behandelt. Da wir ein Verwaltungsgebäude aus den 1960er-Jahren im Bestand umgebaut haben, ergaben sich andere bauliche Voraussetzungen und unterschiedliche Grundrisse als bei einem Neubau. Das haben wir als Chance gesehen, vielen Zimmern eine persönliche Note zu verleihen und sie individuell einzurichten. Auch die Farben der Zimmer wurden beim Durchgang individuell festgelegt, je nach Lichteinfall und Raumaufteilung, also je nachdem, ob sich das Zimmer an der Nord- oder Südfassade oder in der ersten oder sechsten Etage befindet. Die Emi Suiten in der sechsten Etage haben beispielsweise einen dunkelblauen Anstrich erhalten, da bereits viel natürliches Licht durch die großen Fensterflächen eindringt.

Das Interior-Design und die Raumgestaltung des EmiLu sind geprägt von zeitlosen Stilelementen aus den 1960er-Jahren, die durch moderne Designermöbel, Bauhaus-Klassiker sowie eigens angefertigtes Mobiliar in den Zimmern ergänzt werden. Kleinere Zimmer haben wir beispielsweise etwas frischer gestaltet, mit PU-Boden und Farben wie Aubergine, Rosa und Hellblau. Unsere Suiten sind dagegen eleganter gehalten, mit viel Nussbaum und dunkleren Farben. Trotz der Unterschiede ist die Designsprache des Hauses jedoch einheitlich.
Ja, wir haben in allen Zimmern große, bodentiefe zu öffnende Fenster sowie Nussbaum, der sich in Form von Böden, Schränken, Regalen, Tischen oder Decken wiederfindet.

Prinzipiell versucht man in der Hotellerie, Module zu entwickeln, die in vielen Zimmern einsetzbar sind. Bei uns ist das beispielsweise das Schrankmodul, das in WC und Badezimmer integriert ist, oder das Leiterregalsystem. Diese Module versuchen wir dann an die jeweiligen räumlichen Gegebenheiten und Voraussetzungen anzupassen.
Bei der Gestaltung haben wir versucht, gewisse Spannungen zu erzeugen. Dies ist uns durch das Zusammenspiel der unterschiedlichen Farben und Materialien gelungen. Die Zimmer fühlen sich automatisch anders an, je nach räumlicher Gegebenheit. Eine helle Farbe strahlt ein anderes Gefühl aus als eine dunkle. Unsere rote Lu Suite vermittelt Wärme und Geborgenheit, das hellblaue Urban Zimmer Frische und Leichtigkeit. So ist es auch bei den Böden: Parkett erzeugt Wärme, ein PU-Boden dagegen einen gewissen Purismus. Ein offenes Bad lässt einen Raum größer erscheinen, ein geschlossenes Bad vermittelt mehr Intimität.

